Mammalian Design im Hundetraining

Vizsla schaut in den Wald

Was ist Mammalian Design?

Human Design für Hunde – und ein neuer Blick auf euer Miteinander

Es gibt Hunde, bei denen scheint vieles fast wie von selbst ineinanderzugreifen. Man versteht sich, findet einen gemeinsamen Rhythmus und selbst dort, wo es mal knirscht, hat man irgendwie das Gefühl zu wissen, an welcher Stelle man genauer hinschauen könnte.

Und dann gibt es diese anderen Begegnungen. Hunde, die uns an Stellen führen, an denen unser bisheriges Wissen plötzlich nicht mehr die Antworten liefert, die wir uns erhofft haben.

Ich kenne das ziemlich gut.

Dabei beschäftige ich mich seit vielen Jahren beruflich mit Hunden. Ich beobachte Verhalten, arbeite mit jagdlich motivierten Hunden und begleite die Menschen, die mit ihnen leben. Eigentlich könnte man also meinen, dass ich einen ziemlich gut gefüllten Ideenpool habe. Und trotzdem gab es diesen Punkt, an dem ich selbst dachte:

Verdammt. Das ist doch mein Job. Warum kommen wir hier nicht weiter? Warum fühlt sich etwas, das ich eigentlich kann, plötzlich so schwer an? Und warum funktioniert etwas, das auf dem Papier vollkommen logisch erscheint, ausgerechnet bei uns nicht?

Wenn ich heute in meine alten Aufzeichnungen schaue, finde ich genau diese Gedanken dort wieder. Aber ich sehe darin auch, was diese Zeit mit meinem Blick auf Hunde – und übrigens auch auf mich selbst – gemacht hat. Denn irgendwann habe ich aufgehört, ausschließlich nach der nächsten Methode, der nächsten Übung oder der nächsten Stellschraube zu suchen.

Stattdessen wurde eine andere Frage immer lauter:

Wer ist dieser Hund eigentlich? Nicht: Was muss ich verändern? Nicht: Wie bekomme ich das weg?

Sondern wirklich neugierig:

Wer bist du? Was bringst du mit? Was brauchst du vielleicht anders, als ich es erwartet habe? Was nehme ich an dir wahr – und was übersehe ich möglicherweise, weil ich dich durch meine eigenen Erfahrungen, mein Wissen und meine Vorstellungen davon betrachte, wie ein Hund sein sollte?

Und genau an dieser Stelle ist Mammalian Design für mich spannend geworden. Nicht als Ersatz für das, was ich in all den Jahren über Hunde gelernt habe. Und auch nicht als neue Wahrheit, mit der sich plötzlich jedes Verhalten erklären lässt.

Eher wie ein weiteres Fernglas, das ich in meinen ohnehin schon ziemlich gut gefüllten Rucksack legen konnte.

Ich kann es herausholen und noch einmal anders hinschauen. Auf den Hund. Auf den Menschen. Und irgendwann auf das, was ich heute fast am spannendsten finde: auf das Dazwischen. Denn vielleicht geht es gar nicht nur darum, wer dein Hund ist. Vielleicht geht es genauso darum, wer du neben diesem Hund bist. Und was entsteht, wenn aus diesem DU und diesem HUND ein WIR wird.

Was ist Mammalian Design eigentlich?

Wenn du den Begriff Mammalian Design zum ersten Mal hörst, hilft für den Anfang eine sehr einfache Übersetzung:

Mammalian Design ist gewissermaßen das Human Design für Säugetiere. Und gleichzeitig hinkt dieser Vergleich ein bisschen.

Denn wir nehmen nicht einfach das Human Design eines Menschen, setzen einen Hund davor und interpretieren alles genauso weiter.  Ein Mammalian Design Chart hat eine eigene, deutlich reduzierte Architektur. Wenn du Human Design bereits kennst und zum ersten Mal ein Mammalian Chart siehst, wirst du deshalb wahrscheinlich gleichzeitig denken: Ah, das kenne ich! und Moment mal, da fehlt doch etwas.

Genau.

Vieles kommt dir bekannt vor, anderes ist anders aufgebaut. In den Mammalian-Design-Grundlagen werden fünf mögliche Zentren, 15 mögliche Tore und drei sogenannte Hanging Gates beschrieben. Ein Profil, wie wir es aus dem Human Design kennen, gibt es beim Säugetier ebenfalls nicht.

Und ich finde, schon darin steckt eine ziemlich wichtige Erinnerung:

Ein Hund ist kein kleiner Mensch mit Fell. Wir teilen unser Leben miteinander. Wir bauen tiefe Beziehungen auf, lernen voneinander, reagieren aufeinander und manchmal haben wir sogar das Gefühl, unser Hund könne unsere Gedanken lesen.

Trotzdem ist er ein anderes Wesen.

Mammalian Design lädt mich deshalb nicht dazu ein, noch mehr Menschliches in einen Hund hineinzulesen. Für mich passiert fast das Gegenteil. Es macht mich neugieriger darauf, diesen Hund als das Individuum zu betrachten, das er ist. Und damit verändert sich eine Frage, die wir uns im Zusammenleben mit Hunden ziemlich häufig stellen.

Aus: Warum macht der das? wird zunächst: Wie bist du eigentlich?

So sieht ein Mammalian Design Chart für einen Hund aus

Und jetzt darfst du einmal selbst schauen.Hund als Mammalian Design Chart

Beispiel für ein Mammalian Design Chart eines Hundes. Auf den ersten Blick erinnert einiges an Human Design – die Architektur des Mammalian Design ist jedoch eine andere.

Vielleicht hast du noch nie ein Chart gesehen und denkst gerade: Ähm … ja. Hübsch. Und jetzt? Oder du kennst Human Design und fängst wahrscheinlich automatisch an zu vergleichen.

Beides ist völlig in Ordnung. Denn genau an diesem Chart könnten wir jetzt sehr tief einsteigen. Wir könnten über einzelne Zentren sprechen, uns Tore und Verbindungen anschauen und immer weiter hineinzoomen.

Das möchte ich hier ganz bewusst nicht tun.

Denn zum einen würde dieser Artikel dann vermutlich irgendwann die Länge eines kleinen Buches erreichen. Und zum anderen geht es mir an dieser Stelle erst einmal darum, dir zu zeigen, welche Perspektive Mammalian Design überhaupt eröffnen kann.

Ein Chart ist für mich kein Etikett, das ich einem Hund anklebe. Es ist ein Ausgangspunkt für Fragen.

Was ist bei diesem Hund eher konstant? Wo ist er offener für das, was um ihn herum geschieht? Welche Themen tauchen in seinem Chart auf? Und was davon erkenne ich tatsächlich in dem Hund wieder, der vor mir steht? Genau dieses letzte Stück ist mir besonders wichtig. Denn ich möchte nicht nur ein Chart lesen. Ich möchte den Hund sehen.

Welche Mammalian-Design-Typen gibt es bei Hunden?

Eine der ersten Fragen, die natürlich trotzdem auftaucht, ist die nach dem Typ.

Im Mammalian Design sprechen wir von vier grundlegenden Typen. Generator und manifestierender Generator werden dabei gemeinsam betrachtet. Dazu kommen Projektor, Manifestor und Reflektor.

Wenn du Human Design kennst und dort mit fünf Typenbezeichnungen arbeitest, ist das also kein Widerspruch. Generator und manifestierender Generator gehören auch im Mammalian Design zusammen und werden bei der grundlegenden Typenbetrachtung zusammengefasst.

Und natürlich ist es spannend herauszufinden:

Welcher Typ ist mein Hund? Aber ich würde an dieser Stelle gerne direkt eine kleine Bremse einbauen.

Denn der Typ ist ein wunderbarer Einstieg in ein Mammalian Design Chart. Er ist aber nicht der ganze Hund. Sonst hätten wir ziemlich schnell nur unsere alten Schubladen gegen neue ausgetauscht.

Dann heißt es nicht mehr: „Das macht er, weil er ein Jagdhund ist.“ Sondern plötzlich: „Ach, das macht er, weil er Projektor ist.“ Und damit hätten wir überhaupt nichts gewonnen.

Ein Hund bringt seine Genetik mit, seine Rasse, seine Geschichte, seine Erfahrungen, seine Lerngeschichte, seine Bedürfnisse und das Leben, das er bisher geführt hat. All das steht weiterhin neben seinem Chart.

[Hier kommst du zum Artikel „Verhalten eines Hundes wirklich verstehen“.]

Kann Mammalian Design das Verhalten meines Hundes erklären?

Hier treffen meine beiden Welten ziemlich deutlich aufeinander. Und deshalb lautet meine Antwort: So einfach ist es nicht.

Wenn ein Hund plötzlich ein Verhalten zeigt, das uns Sorgen macht, wenn Schmerzen eine Rolle spielen könnten, wenn er Angst entwickelt, aggressiv reagiert oder sich deutlich verändert, dann gehört das fachlich betrachtet und gegebenenfalls medizinisch abgeklärt.

Und wenn ich mir beispielsweise Jagdverhalten anschaue, möchte ich ziemlich viel über einen Hund wissen, bevor ich überhaupt darüber nachdenke, was sein Chart vielleicht noch ergänzen könnte.

Was für einen Hund habe ich vor mir? Was bringt er genetisch mit? Welche Erfahrungen hat er gemacht? Was hat er gelernt? In welcher Situation tritt ein Verhalten auf? Was passiert davor und danach? Wie sieht sein Alltag aus?

Ein Mammalian Design Chart ersetzt keine dieser Fragen.

Aber es kann eine weitere danebenstellen.

Vielleicht schaue ich plötzlich auf etwas, das ich bisher verändern wollte, und werde erst einmal neugierig. Vielleicht entdecke ich einen Zusammenhang, den ich vorher nicht mitgedacht habe.

Vielleicht höre ich für einen Moment auf zu fragen: „Wie sollte dieser Hund sein?“

Und frage stattdessen: „Wie ist dieser Hund eigentlich?“

Für mich liegt darin ein großer Unterschied.

Welche Geburtsdaten brauche ich für ein Mammalian Design Chart?

Und spätestens jetzt kommt eine ganz praktische Frage. Nicole, ich weiß doch überhaupt nicht, um wie viel Uhr mein Hund geboren wurde.

Das ist bei Tieren natürlich keine Seltenheit. Für ein genau berechnetes Mammalian Design Chart brauchen wir Geburtsdatum, Geburtsort und Geburtszeit. Dass gerade die genaue Uhrzeit bei Tieren häufig nicht bekannt ist, wird auch in den Mammalian-Design-Unterlagen thematisiert.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir gar nichts anschauen können. Wenn Geburtsdatum und Geburtsort bekannt sind, kann ich mir den gesamten Geburtstag anschauen. Dabei lässt sich erkennen, was sich im Laufe dieses Tages verändert und was stabil bleibt.

Das ist kein genaues individuelles Chart und ich finde es wichtig, das auch genau so zu benennen. Aber eine solche Tagesübersicht kann trotzdem spannend sein.

Ich mag diese Ehrlichkeit übrigens auch an dieser Stelle. Wir müssen einem Hund keine vermeintliche Eindeutigkeit zuschreiben, wenn wir seine genauen Daten schlicht nicht kennen.

[Hier kannst du dir die Übersicht direkt holen]

Und dann habe ich irgendwann gemerkt: Wir schauen die ganze Zeit auf den Hund

Das ist in der Hundewelt schon ein bisschen verrückt.

Wir analysieren den Hund bis ins letzte Detail. Wir wissen, was er frisst, wann er schläft, wie sein Rückruf funktioniert, welche Rasseanteile vermutlich irgendwo in ihm schlummern, und wir können mitunter minutenlang darüber diskutieren, warum er an einer bestimmten Weggabelung nach links geguckt hat.

Und während wir all das tun, steht da die ganze Zeit noch jemand.

Der Mensch.

Am anderen Ende der Leine.

Und der bringt ebenfalls ziemlich viel mit.

Seine Geschichte, seine Erfahrungen, seine Erwartungen. Die Art, wie er Entscheidungen trifft. Wie er mit Druck umgeht. Wie viel Nähe er braucht. Wie viel Raum. Was ihm Sicherheit gibt. Was ihn verunsichert. Und natürlich auch seine Vorstellung davon, wie dieses gemeinsame Leben mit Hund eigentlich aussehen sollte.

Und plötzlich wird die Frage größer.

Es geht nicht mehr nur darum: Wer ist mein Hund?

Sondern auch: Wer bin eigentlich ich neben diesem Hund?

Und hier kommt Human Design ins Spiel.

Was haben Human Design und Mammalian Design miteinander zu tun?

Human Design hat mir noch einmal eine andere Perspektive auf Individualität eröffnet. Nicht, weil ich heute jeden Menschen ausschließlich durch sein Chart betrachte. Das wäre genauso wenig mein Weg, wie einen Hund nur durch sein Mammalian Design Chart zu betrachten.

Aber wenn ich beim Hund sage: Ich möchte verstehen, wie genau dieser Hund angelegt ist, dann darf ich dieselbe Neugier auch auf den Menschen richten.

  • Vielleicht fällt dir ausgerechnet das schwer, was dein Hund gerade von dir fordert.
  • Vielleicht brauchst du selbst Klarheit, während dein Hund dich immer wieder in Situationen bringt, in denen du dich alles andere als klar fühlst.
  • Vielleicht erlebst du Druck ganz anders als jemand anderes.
  • Vielleicht brauchst du Zeit.
  • Vielleicht brauchst du Abstand.
  • Vielleicht willst du Dinge lösen, während dein Gegenüber gerade etwas vollkommen anderes braucht.

Und plötzlich habe ich nicht mehr einen Hund mit einem Problem vor mir.

Da stehen zwei Individuen. Ein Mensch. Und ein Hund.

[Hier einmal zum Vergleich: links Mammalian-Chart; rechts Human Design Chart]

Mensch. Hund. Miteinander.

Je länger ich mich mit all dem beschäftige, desto deutlicher merke ich, dass genau hier der Kern meiner Arbeit liegt.

Und das Verrückte ist: Eigentlich war er schon lange da. Als ich irgendwann in meinen alten Unterlagen gestöbert habe, bin ich über ein früheres Angebot von mir gestolpert. Darin wollte ich zuerst auf den Hund schauen: Wer bist du denn so?

Danach auf den Menschen: Wer bin ich eigentlich?

Und wenn wir beides betrachtet hatten, sollte sich das weitere Gespräch um das WIR drehen. Darum, wie beide sich miteinander verändern, was zwischen ihnen entsteht, wo ihre gemeinsame Basis liegt und wo es vielleicht auch mal ordentlich knirscht.

Ich musste ein bisschen schmunzeln, als ich das wiedergefunden habe. Denn eigentlich stand da schon alles. Ich hatte nur noch nicht diese drei Worte dafür:

Mensch. Hund. Miteinander.

Was ist ein Mensch-Hund-Composite?

Und jetzt kommen wir an die Stelle, die ich persönlich fast am spannendsten finde.

  • Wir können dein Human Design Chart anschauen.
  • Wir können das Mammalian Design Chart deines Hundes anschauen.
  • Und dann können wir noch ein Stück weitergehen.

Denn zwei Wesen, die miteinander leben, stehen ja nicht einfach unabhängig voneinander nebeneinander.

Sie reagieren aufeinander. Sie beeinflussen sich. Sie ergänzen sich. Sie reiben sich aneinander.

Und manchmal drücken sie sich gegenseitig ziemlich zuverlässig genau die Knöpfe, die besser niemand drücken sollte.

Genau hier wird das Mensch-Hund-Composite interessant.

Wir schauen nicht mehr ausschließlich auf das, was der Mensch mitbringt oder das, was der Hund mitbringt, sondern auf die Dynamik, die zwischen genau diesen beiden entstehen kann. Das Mammalian-Design-Grundlagenmaterial beschäftigt sich ausdrücklich mit dieser Verbindung zwischen Mensch und Säugetier.

Und damit verändert sich unsere Frage wieder.

  • Nicht mehr nur: Wer bist du?
  • Nicht mehr nur: Wer ist dein Hund?
  • Sondern: Wer seid ihr miteinander?

Ich finde diese Frage so spannend, weil sie etwas beschreibt, das wir aus dem echten Leben längst kennen.

Derselbe Hund ist mit unterschiedlichen Menschen nicht zwangsläufig derselbe Hund. Und wir Menschen sind übrigens auch nicht in jeder Beziehung gleich. Das Dazwischen macht etwas mit uns.

[Hier siehst du ein Composite-Chart von Jule und mir. Ja, ich mache mich hier ziemlich nackig, aber da habe ich nichts zu verstecken 😉 ]

Was kann ein Mensch-Hund-Composite zeigen?

Hier könnten wir jetzt richtig tief einsteigen.

Wir könnten über einzelne Verbindungen sprechen, darüber, was einer mitbringt und was erst gemeinsam entsteht. Wir könnten uns die besonderen Cross-Species-Verbindungen anschauen und darüber sprechen, warum manche Mensch-Hund-Konstellationen sich vollkommen anders anfühlen als andere.

Und genau hier mache ich in diesem Artikel bewusst einen Punkt, weil es ab hier eigentlich erst richtig spannend wird.

Ein Composite ist für mich nichts, was ich in drei Absätzen erklären und dann mit „So funktioniert eure Beziehung“ abhaken möchte.

Dafür sind Beziehungen viel zu lebendig. Und Hunde übrigens auch.

[Hier kommst du übrigens zum interaktives Mammalian Design Chart ]

Kann Mammalian Design Hundetraining ersetzen?

NEIN!

Und nach diesem langen Artikel darf eine Antwort ausnahmsweise mal so kurz anfangen.  Mammalian Design ersetzt für mich weder gutes Hundetraining noch eine fundierte Verhaltensanalyse. Es ersetzt keine medizinische Abklärung und auch nicht das Wissen über Lernverhalten, Genetik, Rasseeigenschaften, Bedürfnisse oder Jagdverhalten.

Ich würde niemals aus einem Chart heraus sagen: Dein Hund hat dieses Tor, deshalb musst du jetzt jene Übung machen. So arbeite ich nicht. Mammalian Design lädt mich vielmehr dazu ein, einen Schritt weiter herauszuzoomen.

Vielleicht kennst du das vom Wandern. Manchmal steht man mitten im Wald und sieht vor lauter Bäumen tatsächlich nicht mehr, wo man eigentlich ist. Dann hilft eine Karte. Oder ein Aussichtspunkt. Der Wald darunter ist danach immer noch derselbe.

Aber von oben erkennst du plötzlich Wege, Lichtungen und Zusammenhänge, die du unten zwischen den Bäumen nicht sehen konntest. So fühlt sich Mammalian Design für mich an. Es verändert nicht den Hund. Es kann aber verändern, wie ich auf ihn schaue.

Ist Mammalian Design wissenschaftlich belegt?

Human Design und Mammalian Design sind keine wissenschaftlich anerkannten Methoden zur Diagnose oder Erklärung von Verhalten. Ich würde sie deshalb auch niemals an die Stelle wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Verhaltensbiologie, Lerntheorie oder Tiermedizin setzen.

Für mich ist Mammalian Design eine zusätzliche Perspektive. Ein Rahmen, in dem ich andere Fragen stellen kann. In dem ich etwas beobachten und anschließend wieder zurück ins echte Leben gehen kann.

Denn dort muss sich für mich am Ende alles wiederfinden:

beim Hund. Nicht nur im Chart.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Mammalian Design für mich so gut neben meiner praktischen Arbeit stehen kann. Das eine muss das andere nicht verdrängen.

Vielleicht verändert Mammalian Design gar nicht zuerst deinen Hund

Wir sind ziemlich schnell darin zu überlegen, was ein Hund noch lernen sollte. Ruhiger werden. Besser hören. Mehr aushalten. Weniger reagieren. Schneller zurückkommen. Mehr bei uns sein.

Und natürlich gibt es Dinge, die unsere Hunde lernen müssen. Wir leben miteinander in einer Welt, in der nicht jeder einfach machen kann, was ihm gerade einfällt.

Aber vielleicht darf neben der Frage „Was muss mein Hund noch lernen?“ manchmal eine andere stehen: „Was darf ich über meinen Hund noch lernen?“

Je länger ich mich mit Mammalian Design beschäftige, desto weniger interessiert mich deshalb die schnelle Antwort auf die Frage, welcher Typ ein Hund ist. Natürlich schaue ich mir das an. Natürlich interessieren mich seine Zentren, Tore und Verbindungen. Aber ich möchte dort nicht stehen bleiben.

Mich interessiert der Moment danach. Der Moment, in dem ich vom Chart wieder hochschaue und da dieser Hund vor mir steht. Mit seiner Geschichte. Seinen Erfahrungen. Seiner Art, durch die Welt zu gehen. Mit all dem, was ich längst über ihn weiß – und vielleicht auch mit etwas, das ich bisher noch nicht gesehen habe. Und dann steht da eben nicht nur der Hund.

Da stehst auch du. Mit deiner Geschichte, deinen Vorstellungen und all den Dingen, die du ganz selbstverständlich in diese Beziehung mitbringst. Ich glaube, genau deshalb faszinieren mich Mensch-Hund-Beziehungen nach all den Jahren immer noch so sehr.

Weil zwei Individuen eben nicht einfach nur nebeneinander durchs Leben laufen.

  • Sie machen etwas miteinander.
  • Sie verändern sich.
  • Sie lernen voneinander.
  • Sie reiben sich aneinander.

Manchmal ergänzen sie sich auf eine Weise, die sich fast selbstverständlich anfühlt. Und manchmal drücken sie sich gegenseitig ziemlich zuverlässig genau die Stellen, an denen es wehtut.

Und wahrscheinlich kennen die meisten von uns mit Hund beides. Vielleicht liegt genau dort für mich inzwischen der spannendste Teil von Mammalian Design.

Nicht bei der Frage: „Was ist mein Hund?“

Sondern bei der viel größeren: „Was kann ich entdecken, wenn ich diesen Hund, mich selbst und uns beide einmal aus einer anderen Perspektive betrachte?“

Denn Mammalian Design verändert den Hund nicht. Das soll es auch gar nicht. Vielleicht verändert es zuerst etwas viel Kleineres und gleichzeitig ziemlich Großes: meinen Blick.

Nach vielen Jahren mit Hunden glaube ich ohnehin nicht mehr an die eine Methode, die eine Erklärung oder die eine Antwort, die plötzlich alles löst.

Dafür sind Hunde zu verschieden. Und wir Menschen übrigens auch.

Aber ich glaube sehr daran, dass es sich lohnt, immer wieder den Blickwinkel zu wechseln.

Manchmal stehe ich dafür ganz nah am Hund und beobachte die kleinsten Veränderungen in seinem Verhalten. Manchmal schaue ich auf seine Geschichte, seine Genetik oder das, was er gelernt hat. Manchmal muss ich aufhören, nur den Hund anzuschauen, und meinen Blick ans andere Ende der Leine wandern lassen.

Und manchmal hilft es, noch ein Stück weiter herauszuzoomen.

Fast so, als würde ich für einen Moment über uns beide hinwegfliegen und von oben auf dieses kleine System schauen:

  • Da bist du.
  • Da ist dein Hund.
  • Und dazwischen verläuft etwas, das es genau so nur zwischen euch beiden gibt.
  • Euer Miteinander.

Mammalian Design ist für mich eines der Ferngläser, mit denen ich auf dieses Bild schauen kann. Nicht das einzige.

Und ganz sicher nicht eines, für das ich die anderen aus meinem Rucksack werfen würde.

Mein Wissen über Hunde bleibt darin. Meine Erfahrung bleibt darin. Das, was ich über Verhalten, Lernen und jagdlich motivierte Hunde weiß, bleibt darin. Und vor allem bleibt darin das, was kein Chart dieser Welt ersetzen kann: den Hund vor mir wirklich anzuschauen.

Vielleicht ist das sogar das Schönste, was Mammalian Design für mich mitgebracht hat.

Nicht mehr Antworten. Sondern noch bessere Fragen. Und eine davon nehme ich besonders gerne mit nach draußen:

Wer bist du eigentlich – und wer werden wir, wenn wir miteinander durchs Leben gehen?

Hast du Fragen?

Dann melde dich gerne bei mir!

Waldige Grüße

Nicole