Jagdverhalten verstehen und den Hund im Wald lesen lernen
Wildfangs Waldcoach
Du kennst es bestimmt:
Gerade läuft dein Hund noch ganz entspannt neben dir, ihr genießt die frische Morgenluft. Doch auf einmal rastet bei ihm ein Schalter ein. Er wirkt wie elektrisiert, ist nicht mehr ansprechbar und im nächsten Moment schon im Unterholz verschwunden.
Was genau hat da gerade diesen Schalter umgelegt? Du hast nichts gesehen, nichts gehört … Genau hier setze ich an.
Mit dem Hund durch den Wald – wie ein Gespräch mit einem guten Freund
Mit dem Hund durch den Wald zu laufen, ist für mich wie ein Gespräch mit einem guten Freund zu führen. Es ist spannend, inspirierend und öffnet die Augen. Denn dieser Freund ist ein absolute Spezialist auf seinem Gebiet. Er riecht, hört und sieht Dinge, die uns komplett verborgen bleiben – eine Fährte, einen interessanter Geruch, eine Bewegung am Waldrand.
Ich arbeite schon lange nicht mehr nur dort, wo Jagdverhalten sichtbar wird. Mich interessiert der Punkt davor: der Moment, in dem der Hund beginnt, seine Umwelt anders wahrzunehmen. Er ist ständig mit allen Sinnen unterwegs – riecht, hört, spürt Dinge, die uns komplett entgehen.
Das Wild ist oft längst da, bevor der Hund überhaupt sichtbar für uns reagiert. Und wir Menschen merken meistens gar nicht, was da gerade zwischen den beiden passiert.
Ein Beispiel, was dein Hund wirklich erzählt:
Hast du schon mal beobachtet, wie dein Hund eine gefühlte Ewigkeit an einem jungen Baumstamm schnuppert? Wenn du ihn lassen würdest, würde er dir wahrscheinlich genau das erzählen:
„Hier war ein Rehbock. Im Frühjahr reiben die ihr Gehörn an jungen Bäumen, um die juckende Basthaut loszuwerden – und ich rieche noch das Blut, das dabei ausgetreten ist, und ein paar Haare, die hängen geblieben sind. Von da drüben ist er gekommen. Hier hat er länger gestanden, die Geruchswolke ist stärker – hier hat er sich gefegt. Dann ist er einen Busch weitergezogen, hat sich noch an den jungen Trieben bedient, und ist in die andere Richtung weitergegangen.“
Eine ganze Geschichte, die dir dein Hund erzählt, wenn du ihm die Zeit dafür gibst.
Warum Verstehen für mich der erste Schritt ist
Der Start für ein gutes Training beginnt für mich nicht beim Rückruf oder beim Stoppen. Es beginnt darin, wenn wir das Zusammenspiel zwischen Hund und Natur erkennen.
Wir haben oft die Verbindung zur Natur verloren. Wir achten gar nicht mehr darauf, was da draußen wirklich passiert – dieses Wissen wird uns einfach nicht mehr mitgegeben. Ich bringe all das Waldwissen mit ein, das ich durch meine Jägerprüfung gelernt habe, und alles, was ich all die Jahre draußen mit Menschen und Hunden erlebt habe – was mir die Hunde selbst erzählt haben. Das gebe ich weiter, damit wir unseren Fokus wieder öffnen und die Natur anders wahrnehmen können.
Wenn wir erst eingreifen, wenn der Hund schon jagt, ist das Entscheidende längst passiert.
Deshalb ist Verstehen für mich der erste Schritt, nicht das Training selbst. Wer ist mein Gegenüber, wer bin ich – und wie kommen wir gemeinsam auf einen Nenner?
Waldige Grüße
Nicole
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