… und warum das Wissen um die Natur für mich immer der wichtigste Teil des Trainings ist
Wenn mir in den Seminaren immer wieder mein Waldherzchen weh tut
In vielen Seminaren erlebe ich genau diesen Moment. Hoch motivierte Trainer:innen. Fachlich gut ausgebildet. Methodisch sauber. Engagiert.
Und gleichzeitig noch, wenig Wissen über Wild, kaum Gespür für Revierlogik, Unsicherheit bei Wild-Wechseln, noch keinen Blick für Rhythmen in der Natur und noch wenig Verständnis für das, was draußen wirklich wildes los ist.
Dann arbeiten wir an Rückruf, an Stoppen, an Impulskontrolle. Und irgendwann beginne ich, leise ein wenig Wald hineinzuholen. Ich erzähle von Wechseln, von Rhythmen in der Natur, von Wild, das sich bewegt, lange bevor wir es sehen. Und jedes Mal habe ich das Gefühl: Jetzt sind wir dort angekommen, wo Training wirklich beginnt.
Und genau in diesen Momenten beobachte ich in meiner Arbeit immer wieder etwas sehr Deutliches.
Wenn ich mit Trainer:innen am Jagdverhalten arbeite und beginne, Wissen über Wild, Wald, Revierlogik und Umwelt einfließen zu lassen, öffnen sich bei ein oder zwei plötzlich neue Räume.Der Blick wird weiter. Das Verständnis tiefer.Entscheidungen ruhiger.
Und bei den meisten erlebe ich etwas anderes. Sie hören höflich zu. Nicken. Und fragen dann doch sehr schnell:
„Was soll ich jetzt konkret tun?“
„Welches Signal hilft hier?“
„Wie bekomme ich das Verhalten in den Griff?“
Und manchmal habe ich das Gefühl, dass das, was mich im Innersten antreibt, gar nicht wirklich gefragt ist.
Nicht das Verstehen.
Nicht die Zusammenhänge.
Nicht der Blick auf Raum, Wild und innere Prozesse.
Sondern vor allem eines: eine möglichst schnelle Lösung für ein möglichst drängendes Problem.
Und dann frage ich mich jedes Mal sehr ernsthaft:
Liegt es an mir?
An meiner Art, dieses Wissen zu vermitteln?
An meiner Sprache?
An meiner Didaktik?
Oder leben wir in einer Zeit, in der es vor allem darum geht, Probleme möglichst schnell zu beheben – und immer weniger darum, sie wirklich zu verstehen?
Wo Jagdverhalten wirklich beginnt
Ich arbeite schon lange nicht mehr nur dort, wo Jagdverhalten deutlich sichtbar wird.
Mich interessiert der Punkt davor.
Der Moment, in dem der Hund beginnt, den Wald anders zu lesen. Der Wechsel, den viele übersehen.
Das Wild, das längst da ist, bevor der Hund reagiert. Und der Mensch, der oft nicht weiß,
was da gerade vor sich geht.
Denn aus meiner Sicht beginnt gutes Training nicht erst beim Rückruf oder beim Stoppen.
Es beginnt beim Verstehen des Draußen Wenn wir erst eingreifen, wenn der Hund jagt, ist das Entscheidende längst passiert
In der Arbeit mit jagdlich motivierten Hunden liegt der Fokus häufig auf dem, was sichtbar wird:
- Hetzen
• Fixieren
• Weglaufen
• Nicht abrufbar sein
• Kontrollverlust
Und natürlich ist das wichtig. Natürlich braucht es dort Struktur, Training, Signale, Management.
Aber nach über zwanzig Jahren Arbeit im Wald, mit Hunden, mit Wild und mit Menschen weiß ich:
Wenn wir erst dort anfangen, dann sind die entscheidenden Prozesse längst gelaufen.
Denn Jagdverhalten entsteht nicht plötzlich. Es ist ein Zusammenspiel von Hund, Mensch und Natur. Und genau dort beginnt mein eigentliches Arbeitsfeld.
Unkontrolliertes Jagdverhalten können wir nicht in ein isoliertes Trainingsprogramm packen
Jagdverhalten ist für mich kein einzelnes Verhalten, das man „wegtrainiert“. Es ist Ausdruck eines Systems.
Ein System aus: Umgebung, Wild, Gerüchen, Spuren, Rhythmen, Tageszeiten, Jahreszeiten, Revierwechseln, innerer Erregung, Wahrnehmung, Erfahrung und vieles mehr.
Und mitten darin: der Hund.
Und der Mensch.
Wer Jagdverhalten verstehen möchte, darf lernen, dieses System zu lesen. Nicht nur den Hund. Nicht nur das Signal. Nicht nur die Situation.
Sondern: den gesamten Raum.
Der Punkt davor – wo alles beginnt
Es gibt diesen Moment. Ganz leise. Ganz unscheinbar.
Der Hund verändert sein Tempo. Der Blick wird weiter. Die Nase arbeitet anders. Der Körper wird spannungsvoller.
Der Raum bekommt plötzlich eine andere Bedeutung.
Noch ist nichts passiert – wirklich?
Kein sichtbares Orientieren. Kein Losrennen. Kein Kontrollverlust.
Aber innerlich ist der Hund längst unterwegs.
Und hier entscheidet sich, ob Jagdverhalten sich unkontrolliert entfaltet – oder ob Orientierung möglich bleibt.
Dieser Punkt davor ist mein eigentliches Arbeitsfeld.
Was viele aus meiner Sicht übersehen: Wald und Hund kommunizieren ständig
Der Wald ist kein neutraler Ort für den Spaziergang. Er ist ein hochkomplexes Informationsfeld für unseren Hund
• Wechsel erzählen Geschichten,Trittsiegel zeigen Bewegung
• Gerüche liegen in Schichten auf dem Moos
• Der Wind trägt Botschaften mit sich
• Wild hinterlässt Spuren, lange bevor es für uns sichtbar ist
Hunde lesen diesen Raum in einer Tiefe, die wir Menschen oft nicht einmal erahnen.
Und trotzdem bewegen wir uns dort, als wäre es einfach nur „Gassi im Grünen“.
Wenn dieses Wissen fehlt, wenn der Mensch nicht versteht, was hier eigentlich passiert, dann entsteht Training im Blindflug.
Gut gemeint.
Technisch korrekt.
Aber oft am Kern vorbei.
Training ohne Umweltverständnis bleibt m.M. nach immer unvollständig
Man kann Jagdverhalten technisch sehr gut managen.
Man kann:
- Signale aufbauen
• Distanzen kontrollieren
• Schleppleinen einsetzen
• Alternativen trainieren
• Erregung regulieren
Und das alles ist wichtig. Aber ohne Raumverständnis bleibt Training oft reaktiv. Wir reagieren auf Verhalten,
statt Prozesse zu gestalten. Wir greifen ein, wenn der Hund schon innerlich im Jagdmodus ist.
Dabei wäre vieles leichter, wenn wir früher lesen lernen würden.
Was sich verändert, wenn Menschen lernen, den Wald zu lesen
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder: Sobald Menschen beginnen, Wechsel zu erkennen, Wildpräsenz einzuschätzen, Spuren zu lesen, Rhythmen wahrzunehmen, Raum bewusst zu nutzen verändert sich das Training fast von selbst.
Nicht, weil der Hund plötzlich „brav“ ist.
Sondern weil:
- Situationen besser gewählt werden
• Reize früher erkannt werden
• Entscheidungen ruhiger fallen
• Führung klarer wird
• Stress deutlich sinkt
Und oft passiert etwas sehr Schönes: Der Mensch wird wieder gestaltender Teil des Systems
und nicht nur reiner Manager von Problemen.
Jagdverhalten als Einladung, größer zu denken
Für mich ist Jagdverhalten kein Problem.
Es ist eine Einladung.
Eine Einladung,
- den Hund tiefer zu verstehen
• den Raum bewusster wahrzunehmen
• und vor allem:
das große Ganze zu sehen
Und genau dort beginnt verantwortungsvolle Arbeit.
Mein Schwerpunkt heute: nicht reparieren – sondern verstehen helfen
Deshalb hat sich mein Fokus schon früh verändert. Und ich bin zutiefst dankbar für das,
was ich durch meinen Jagdschein über Wild, Raum und Zusammenhänge lernen durfte.
Nicht weg vom Jagdverhalten. Sondern tiefer hinein in seine Wurzeln.
Mich interessiert:
- Wie liest ein Hund die Umwelt?
• Wie entstehen Suchstrategien?
• Wie wirken Wild, Raum und Rhythmus zusammen?
• Wie kann der Mensch früher steuern?
• Wie entsteht Orientierung, bevor Kontrolle nötig wird?
Ich arbeite nicht erst dort, wo es brennt. Mich interessiert der Moment,
bevor das Feuer entsteht.
Manche sagen das sei ein romantischer Ansatz
Manchmal wird diese Arbeit als „naturverbunden“ oder „philosophisch“ beschrieben.
In Wahrheit ist sie für mich hoch fachlich.
Denn Prävention ist immer die anspruchsvollere Disziplin.
Lesen ist schwerer als Reagieren.
Verstehen ist komplexer als Korrigieren.
Und genau dort liegt aus meiner Sicht die Zukunft guter Arbeit mit jagdlich motivierten Hunden:
Nicht in mehr Technik – Sondern in mehr Zusammenhang.
Zum Schluss
Ich bin nicht gegen Jagdkontroll-Training – im Gegenteil, ich arbeite selbst intensiv damit.
Aber ich glaube zutiefst:
Gutes Training beginnt nicht beim Signal.
Es beginnt beim Sehen.
Beim Lesen.
Beim Verstehen des Draußen.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem wir als Trainer:innen, Hundehalter:innen und Begleiter:innen neu ansetzen dürfen.
Nicht erst, wenn der Hund hinter dem Hasen herläuft. Sondern wenn wir beginnen, unsere Umwelt und den Hund darin kontextbezogen zu lesen.
Wenn dich dieser Blick auf Jagdverhalten, Wald und Orientierung anspricht, wenn du spürst, dass Training für dich mehr ist als Technik,
und du lernen möchtest, den Raum genauso zu lesen wie den Hund, dann findest du in meinem Waldcoach genau diesen Zugang:
eine Verbindung aus Wildwissen, Raumverständnis und Trainingspraxis – für Menschen, die das Draußen wirklich verstehen wollen.

HIER geht es noch zu einem Video
🌿 Jagdverhalten verstehen – um genau am richtigen Punkt in das Training am Verhalten einzusteigen
Hier kommst du zum Video incl. Waldguide zur Umsetzung in deinem Traineralltag: KLICK!
Waldige Grüße
Nicole
P.S.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich dieser Blick auf Jagdverhalten, Wald und Orientierung anspricht
und du tiefer verstehen möchtest, wie Raum, Wild, Hund und Training zusammenwirken,
dann lade ich dich zu einem Orientierungsgespräch ein.
Nicht, um dir etwas zu verkaufen. Sondern um gemeinsam zu schauen,
wo du stehst, was du suchst
und welcher Weg für dich und deinen Hund sinnvoll ist.
Hier findest du meine Termine: KLICK!


