Warum es nicht mehr um schneller, höher, weiter geht – sondern um Haltung und Wirken
Es ist der 2. Januar.
Ein stiller Tag zwischen den Jahren. Es fühlt sich noch nicht nach „Jetzt geht es endlich los!“ an, sondern ich kroose (Kölsch für: rumwühlen) in Schubladen rum, der Weihnachtsbaum wird wieder in die Freiheit entlassen und die letzten Geschenkpapierschnipsel werden unter der Couch herausgefischt,
Bei solchen Aktivitäten höre ich fast immer Podcasts.
Dieses Mal die Lanz & Precht-Folge 226.
Zu Gast war die Zukunftsforscherin Florence Gaub.
Und mitten in einem Gespräch über Zukunft, Gesellschaft und Wandel fiel sinngemäß dieser Gedanke:
Wir kommen an einen Punkt, an dem wir uns nicht mehr über das definieren können,
was wir haben, sondern über das, was wir sind – und wie wir wirken.
Moment.
Ich habe erst mal die Pause-Taste gedrückt.
Zurückgespult.
Und mir diesen Satz noch einmal angehört.
Da wurde gerade etwas auf den Punkt gebracht, was mich schon seit langer Zeit beschäftige.
Selbstwirksamkeit – und warum dieser Begriff gerade jetzt wichtig wird
Denn im Kern geht es genau darum: Selbstwirksamkeit.
Ein Begriff aus der Psychologie, geprägt von Albert Bandura.
Er beschreibt die Überzeugung eines Menschen, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können.
Kurz gesagt:
Ich bin nicht ausgeliefert – ich kann gestalten.
Lange Zeit wurde Selbstwirksamkeit stark über Tun definiert: Ziele erreichen, Probleme lösen, Ergebnisse produzieren!
Gerade im beruflichen Kontext wurde sie messbar gemacht:
Umsatz, Reichweite, Abschlüsse, sichtbarer Erfolg.
Und genau hier – so erlebe ich es – beginnt sich etwas zu verschieben.
Wenn das alte Erfolgsmodell an seine Grenzen kommt
Vielleicht spürst du das in deiner Hundeschule oder generell im Tierbusiness ja auch:
- Mehr Methoden bringen nicht automatisch Klarheit.
- Mehr Wachstum bringt nicht automatisch Sicherheit.
- Mehr Vergleich sorgt nicht automatisch für Orientierung.
Man kann fachlich exzellent sein und sich trotzdem innerlich leer fühlen. Man kann alles „richtig“ machen und trotzdem das Gefühl haben, am eigenen Kern vorbeizuarbeiten.
Florence Gaub beschreibt diesen gesellschaftlichen Wandel sehr treffend:
In Zeiten von Unsicherheit, Dauerkrisen und schnellem Wandel verlieren äußere Sicherheiten an Bedeutung.
Das alte Narrativ
„Ich bin wertvoll, weil ich viel leiste oder besitze“
greift für viele nicht mehr zuverlässig.
Was bleibt, ist eine andere Frage:
Wer möchte ich sein – auch dann, wenn es unruhig wird?
Vom Haben zum Sein
(ohne Räucherstäbchen)
Dieser Perspektivwechsel hat nichts mit Rückzug oder Weltflucht zu tun. Und er kommt ganz sicher nicht mit dem Räucherstäbchen daher.
Er ist – meiner Meinung nach – eine notwendige Anpassung an eine Welt, die sich nicht mehr so kontrollieren lässt wie früher.
Denn:
- Haben ist endlich.
- Leistung ist schwankend.
- Status ist vergleichbar – und damit fragil.
Das Sein dagegen:
- ist innerlich verankert
- wirkt auch ohne Bühne
- bleibt, selbst wenn äußere Strukturen wackeln
Und genau hier verändert sich auch das Verständnis von Selbstwirksamkeit.
Sie wird weniger zu einer Frage von:
Was schaffe ich? und mehr zu einer Frage von: Was leitet mich in meinem Handeln?
Was das mit dem Tierbusiness zu tun hat
Gerade in der Arbeit mit Menschen und Tieren zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich.
Denn hier arbeiten wir:
- mit Lebewesen
- mit Beziehungen
- mit Nervensystemen
- mit Vertrauen
Hund und Mensch lassen sich nicht dauerhaft „optimieren“.
Viele Trainer:innen kommen genau deshalb an einen Punkt, an dem sie merken:
Ich kann nicht noch schneller, lauter oder härter arbeiten – ohne mich selbst zu verlieren.
Selbstwirksamkeit zeigt sich hier nicht darin, alles im Griff zu haben, sondern darin, klar zu bleiben, auch wenn es komplex wird und zu wissen das man auf sich selber verlassen kann.
Selbstwirksamkeit im neuen Verständnis
In einem zeitgemäßen, zukunftsfähigen Verständnis bedeutet Selbstwirksamkeit:
- Ich kenne meine Werte – und handle danach.
- Ich weiß, wofür ich stehe – auch wenn das nicht jedem gefällt.
- Ich vertraue darauf, dass mein Wirken Spuren hinterlässt, selbst wenn es nicht sofort messbar ist.
Ganz praktisch im Tierbusiness:
- Ich muss nicht jede Methode anbieten.
- Ich darf langsamer arbeiten, wenn es der Beziehung dient.
- Ich darf Nein sagen – zu Kund:innen, Formaten oder Erwartungen, die nicht passen.
Das ist keine Schwäche. Das ist reife Selbstwirksamkeit.
„Zukunft ist kein Plan – Zukunft ist ein Gefühl“
Ein weiterer Gedanke aus dem Gespräch mit Florence Gaub hat mich besonders berührt:
Zukunft ist kein objektiver Ort.
Zukunft ist ein Gefühl.
Wenn das stimmt – und vieles spricht dafür – dann entscheidet sich unsere Zukunft nicht allein in Strategien oder Konzepten,
sondern in unserer inneren Haltung.
Fühle ich mich:
- handlungsfähig oder ausgeliefert?
- verbunden oder getrieben?
- klar oder permanent unter Druck?
Im Tierbusiness heißt das:
Die Art, wie wir arbeiten, formt nicht nur unsere Gegenwart – sondern auch die Zukunft unseres Wirkens.
Nicht schneller. Sondern stimmiger.
Vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieser Zeit:
- Nicht noch ein Tool.
Nicht noch ein System.
Nicht noch ein höheres Ziel.
Sondern:
- mehr Klarheit
- mehr innere Ausrichtung
- mehr Vertrauen in das eigene Sein
Denn echte Selbstwirksamkeit entsteht dort,
wo wir nicht gegen uns arbeiten.
P.S.: Noch eine Beobachtung zum Schluss
In der letzten Zeit habe ich viele Trainerinnen durch Human Design Readings begleitet.
Und ehrlich gesagt: Die meisten kommen nicht mit der Frage „Was soll ich jetzt anders machen?“
Sondern eher mit so einem Gefühl von
„Irgendwie weiß ich viel – aber es fühlt sich nicht immer rund an.“
Was dann oft passiert, ist ziemlich unspektakulär. Kein Aha-Feuerwerk. Kein neuer Masterplan. Aber etwas verschiebt sich.
Sie gehen aus diesen Gesprächen oft:
- ein bisschen sortierter im Kopf
- sicherer in ihren Entscheidungen
- und spürbar entspannter in dem, wie sie arbeiten
Nicht, weil plötzlich alles klar ist, sondern weil sie sich selbst wieder besser einordnen können.
Wenn du Lust hast, genau dort anzusetzen – ruhig, ohne Druck und mit Human Design als unterstützendem Werkzeug –
schau dir hier gerne meine Readings an:
Waldige Grüße
Nicole


